On-Arrival-Training (OAT)

Das On-Arrival-Training (OAT) bezeichnet die Einführungsschulung vor Ort und praktische Einarbeitung im Gastland.

Um den bestmöglichen Wissens-Transfer zwischen unseren Freiwilligen-Jahrgängen zu gewährleisten, hat sich eine Überschneidung von 2 bis 3 Wochen Dauer bewährt. In dieser Zeit stellen sich die Alt-Freiwilligen in den Dienst ihrer Nachfolger: Sie nehmen sie mit in ihren Freiwilligenalltag, lassen ihre Nachfolger über die Schulter schauen und praktisch mit anpacken. Es ist also weniger ein Seminar, als ein praktischer Hands-On-Einstieg, der enorm hilfreich ist. 

Zwei Aspekte sind besonders wertvoll. Erstens: Unsere Dienstzeit von 12 Monaten und 3 Wochen sorgt für eine etwa dreiwöchige Überschneidungszeit zwischen den alten und neuen Freiwilligen-Generationen und damit für einen sukzessiven und nahtlosen Übergang. Hierbei bewährt sich besonders das Job-Shadowing, So können die Neu-Freiwilligen ihre direkte Vorgänger für ca. zwei Wochen bei der Arbeit begleiten, ihnen erst assistierend „über die Schultern schauen“ und dann die Freiwilligenarbeit schrittweise von ihren Vorgängern übernehmen und weiterführen. Die Vorgänger_innen reduzieren ihre Freiwilligenarbeit schrittweise von 100% (bei Ankunft der Neuen) auf 0% (bei Abflug der Alten), während die Nachfolger_innen komplementär ihren Anteil an der Freiwilligenarbeit schrittweise hochfahren, so dass die Einsatzstelle in der Summe immer 100% bekommt und keinen Ausfall erleidet. 

Die Erfahrung zeigt: Zwei bis drei Wochen Übergabe mit den Vorgängern sind wertvoller als 12 Wochen als Einzelkämpfer selbst auf die Schnauze fallen. Die Überschneidung erleichterte den praktischen Projekteinstieg ganz wesentlich.

Zweitens: Es hat sich bewährt, das On-Arrival-Training (OAT) in die Hände der Vorgänger_innen zu geben (Peer-Glaubwürdigkeit, keinerlei Sprachbarrieren, hohe Motivation durch die Einarbeitung der Nachfolger auch die eigene Arbeit sinnvoll abzusichern und etwas Bleibendes zu hinterlassen; mehr Zeit, praktische Tipps aus der „deutschen Perspektive“ und Vermeidung von interkulturellen oder projektspezifischen Fettnäpfchen). In allen Einsatzstellen gibt es zusätzlich die Begrüßung und Einführung durch die einheimischen Projektleiter_innen, Projektmitarbeiter_innen und Mentor_innen, aber durch das selbst-organisierte OAT ziehen wir keine unnötigen Ressourcen von einheimischen Mitarbeitern für eine Aufgabe ab, die von den Vorgängern ohnehin am besten und engagiertesten gemacht werden kann. Unsere Befragung von FW beim Zwischenseminar bestätigt immer wieder, dass eine überwältigende Mehrheit der FW das OAT durch ihre Vorgänger als sehr hilfreich und in deren Händen genau richtig aufgehoben fand.

Meist unterscheiden wir zwischen Länder-OAT und Städte-OAT. Im Länder-OAT werden allgemeine und länderspezifische Einstiegs-Tipps gegeben. Zudem gaben einheimische Fachkräfte Workshops und Einstiegs-Vorträge (z.B. zur indigenen Cosmovision der Cechua-Kultur, zur neuen bolivianischen Verfassung oder zur Arbeit mit ausgegrenzten Menschengruppen).

Die Einführungsschulungen vor Ort (Städte-OAT) dienen der Orientierung und der praktischen Einarbeitung der neuen Freiwilligen in die alltägliche, sozialpraktische Projektarbeit. Sie werden von den direkten Vorgängern in Absprache und Kooperation mit den einheimischen Projektleitern und Mentoren geplant und durchgeführt. Hierdurch sollten die Freiwilligen ihre Einsatzstelle, sowie ihre Bezugspersonen und ihren neuen Lebensalltag besser kennen lernen und sich mit den lokalen Gegebenheiten, Arbeitsabläufen und Gewohnheiten vertraut machen.